Idee

„Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“

— Martin Buber

Die Worte Martin Bubers beschreiben die Projektphilosophie und sind gleichzeitig Handlungsleitend im Sinne des Selbstverständnisses der pädagogischen Arbeit im Projekt, denn Räume der Begegnungen zwischen den Menschen im Dreiländereck zu schaffen, ist ein grundlegendes Element in unserem Projekt. Damit verbunden ist der Dialog, ein Wechsel der Perspektive und die Erfahrung des Lebens in einer gemeinsamen Region.

Seit dem Jahr 2004 konzentriert sich unser Wirken in konzeptioneller Differenzierung auf die Entwicklung neuer Lernformen, die inhaltlich und strukturell den Begriff Lanterna futuri – Leuchtturm der Zukunft – füllen und innerhalb der Bildungslandschaft einen Paradigmenwechsel erarbeiten.

Erfahrungshintergrund

Mit der pädagogischen Arbeit im Projekt Lanterna futuri konnte in den letzten 11 Jahren ein Handlungsrahmen sowie eine langfristig tragende Struktur von inter- und transkulturellen Lernformen für Jugendliche in der Grenzregion entstehen. Grundlegend neu in dem Projekt Lanterna futuri ist die bildungsressourcenorientierte Verbindung von außerschulischen und schulischen Lernfeldern und -orten. Aktuell sind 15 Schulen aus der Euroregion Neiße und drei weitere Schulen in dem Lanterna futuri Lernmodell eingebunden. Dabei haben die außerschulischen Partner des Projektes, die Hillersche Villa gGmbH Zittau/Großhennersdorf (D), der Lausitzer Bergverein Radvanec o.s. (CZ) und das Drei Kulturen Haus Parada Niedamirów (PL) in Kooperation mit den schulischen Partnern eine Vielzahl neuer Lernformen entwickelt und in der Praxis erprobt, in denen die Entwicklung inter- und transkultureller Kompetenzen, der Persönlichkeitsentwicklung, sozialer Kompetenzen, Eigenverantwortung, Kreativität, Teamarbeit und die Förderung der Sprachkompetenz zielführend sind.

Das Lanterna futuri Projektfundament umfasst drei Kernbereiche:

  1. Die Struktur – Verbindung von außerschulischen und schulischen Partnern im Bereich der internationalen Zusammenarbeit (andere Lernformen und Lernorte) und der Entwicklung neuer Kooperationsmodelle mit der Wirtschaft.
  2. Die Methodik – Kunst & Pädagogik als spezifische inter- und transkulturelle Lernformate, in denen die Ideen der Jugendlichen im Mittelpunkt stehen und die Teilnehmenden Schlüsselkompetenzen erwerben und vertiefen.
  3. Die Themen – Inhalt & Form bedingen sich und gehören zum Lernsetting, in dem Werte und Haltungen im gesellschaftspolitischen Kontext eingenommen und vertreten werden.

Wenn wir auf die Arbeit im Projekt Lanterna futuri der letzten 11 Jahre zurückblicken, zählen wir heute zu einer anerkannten Begegnungs- und Bildungsinstanz für junge Menschen im Dreiländereck D-PL-CZ. Dabei ist die politische Bildung eine grundlegende Anforderung im Projekt, deren Wurzeln sich auf die gemeinsame Erfahrung im aktiven Handeln gegen die Diktaturen in unseren drei Ländern in der Zeit vor 1989 gründen. In diesem Handeln waren und sind die Werte der Freiheit, der Selbstbestimmung, der Demokratie zentrale Anliegen.

Diese Leitthemen stehen immer noch im Mittelpunkt und haben vor dem Hintergrund der Krisen der letzten Jahre sogar an Bedeutung gewonnen. Dabei kann die vorhandene interkulturelle Kompetenz in Beratung anderer Akteure in der Begleitung von Flüchtlingen genutzt werden.

Des Weiteren wollen wir uns in den kommenden Jahren, u.a. mit der neuen Reihe Lanterna futuri Plus, stärker dem gesamteuropäischen Raum zuwenden und andere zivilgesellschaftliche Akteure und Jugendliche ins Dreiländereck einladen, bzw. uns mit unserem Projekt auf Reisen nach Südosteuropa begeben.

Wir sehen in der kontinuierlichen Weiterentwicklung der inter- und transkulturellen Bildungsarbeit im Projekt Lanterna futuri in Kooperation mit weiteren Partnern einen zentralen Ansatzpunkt für die Entwicklung gemeinsamer Perspektiven in der Grenzregion.

Bisherige Arbeitsergebnisse

Zuerst steht in der Betrachtung der Ergebnisse, die in den Begegnungen der jungen Menschen aus der polnisch-, tschechisch- und deutschsprachigen Region hervorgingen, die Vertrautheit, die Auflösung stereotyper Bilder in dem Entdecken der Einzigartigkeit jeder Person in seiner Biografie, das Erkennen individueller Fähigkeiten, die in ihrer Vielfalt im Zusammenspiel innerhalb der künstlerischen Produktionen eine Ausdruckskraft gewannen und für die Beteiligten eine Identifikation in der Lanterna futuri-Kultur mit differenzierterem Selbstverständnis außerhalb nationaler Identität beinhaltete. Dabei sind Freundschaften entstanden und viele Impulse für berufliche Entwicklung ausgegangen, sowie fremde Orte vertrauter geworden.

Darüber hinaus dokumentieren die entstandenen Produktionen vielfältige Statements und Haltungen der Jugendlichen zu unterschiedlichen thematischen Feldern.

Diese Erfahrungen teilten in den Jahren 2004-2015 insgesamt mehr als 2.200 Personen aus verschiedenen Orten Ostsachsens, Nordböhmens und Niederschlesiens, die in:

  • über 250 interkulturellen Seminaren/Werkstätten zusammengearbeitet haben und sich aus
  • mehr als 2.100 Jugendlichen, über 50 Lehrern und über 60 Werkstattleitern und Sprachmittlern zusammensetzten.

In den mehr als 90 unterschiedlichen öffentlichen Präsentationsformaten in Deutschland, Polen und Tschechien, die den Abschluss der internationalen Werkstätten und Akademien bildeten, sind über 187 Songs, 31 Kurzfilme, 33 Ausstellungen, 39 Theaterproduktionen, mehr als 24 Kunsthappenings, mehrere Zeitschriften, Hörfeatures etc. entstanden, die in die Gesamtregion ausgestrahlt wurden.

Diese, von der Idee bis zur Umsetzung und Präsentation, von jungen Menschen selbst gestalteten künstlerischen Produktionen ermöglichten mehr als 11.000 Besuchern, an verschiedenen Orten der Euroregion direkt mit dem Projekt und den beteiligten Jugendlichen in Kontakt zu kommen.